Schlagzeilen
Ausfälle und Verspätungen: Streiks bei der Lufthansa für Donnerstag angekündigt

Wer am Donnerstag von Deutschland aus mit der Lufthansa fliegt, muss sich auf Ausfälle einstellen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Kabinengewerkschaft UFO haben zu einem ganztägigen Streik aufgerufen.
Lufthansa-Kunden müssen sich am Donnerstag auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Grund sind gleichzeitige Arbeitskampfmaßnahmen der Piloten und Flugbegleiter über den ganzen Tag. Bestreikt werden sollen sämtliche Starts ab Deutschland.
Das genaue Ausmaß der Ausfälle war zunächst unbekannt. Man warte auf genauere Informationen von Seiten der Gewerkschaft, erklärte ein Lufthansa-Sprecher.
Der Streik soll am Donnerstag um 00.01 Uhr beginnen und bis 23:59 Uhr dauern. Betroffen ist neben der Kernmarke Lufthansa auch die Frachtairline Lufthansa Cargo.
Bessere Rentenbedingungen und Tarifverträge gefordert
Der Präsident der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Andreas Pinheiro, wies der Lufthansa die Verantwortung für den Streik zu: "Wir hätten eine Eskalation sehr gerne vermieden." Die Gewerkschaft sei "jederzeit gesprächsbereit" gewesen und habe "mehrfach versucht, Bewegung in die Verhandlungen zu bringen".
Die VC fordert für die rund 4.800 Beschäftigten höhere Beiträge zur Betriebsrente. Hierzu liegt schon seit dem Herbst eine Urabstimmung der Mitglieder vor, die mit Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben. Das Lufthansa-Management lehnt das wegen hoher Kosten und geringer Profitabilität der Premium-Fluglinie ab.
Die Passagiere bat die Gewerkschaft um Verständnis: "Nach der Urabstimmung Ende September haben wir der Lufthansa bewusst mehrere Monate Zeit eingeräumt, um doch noch zu einer verhandlungsfähigen Lösung zu kommen", sagte Pinheiro. "Dieses Zeitfenster wurde erneut von dem Arbeitgeber nicht genutzt."
UFO kritisiert Strategie der Lufthansa
Die Kabinengewerkschaft UFO will ohne Urabstimmung mit einem Warnstreik Verhandlungen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline erzwingen. Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht. UFO will hier einen tariflichen Sozialplan. Laut einem Mitgliederrundschreiben würden Verhandlungen vom Management verweigert. Bei der Kerngesellschaft warte man bislang vergeblich auf Verhandlungen zum Manteltarifvertrag.
Unter den Schlagworten "Produktivität" und "Flexibilität" verlange Lufthansa weiter tarifliche Verschlechterungen, die sich unmittelbar auf die Arbeitsbelastung und die ohnehin stark eingeschränkte Planbarkeit des Privatlebens auswirken würden, kritisiert UFO-Tarifexperte Harry Jaeger.
Gleichzeitig verweigere der Arbeitgeber jede ernsthafte Diskussion über Schutzmechanismen, mit denen die Kabinenbeschäftigten vor den Folgen des vom Konzern eingeschlagenen Kurses abgesichert werden könnten.
Gemeint ist hier die Konzernstrategie, mit neuen Flugbetrieben die etablierten Betriebsteile unter Druck zu setzen. Der Vorstand hat vor wenigen Jahren die Flugbetriebe Lufthansa City Airlines und Discover mit dem erklärten Ziel gegründet, dort zu kostengünstigeren Tarifbedingungen zu fliegen. Dies gelingt vor allem, weil dort die Crews weniger verdienen.
Tarifstreit im öffentlichen Dienst: Warnstreiks und erste Kompromisssignale

Im Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst der Länder suchen Gewerkschaften und Arbeitgeber am Mittwoch erneut nach einem Kompromiss. Dabei gibt es erste Signale. In zahlreichen Städten gab es im Vorfeld erneut großflächige Warnstreiks.
Vor der dritten Runde der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder haben sich Tarifbeschäftige in zahlreichen Städten an Warnstreiks beteiligt. In Düsseldorf versammelten sich etwa 16.000 Menschen vor dem Landtag. Beschäftigte an Schulen, Unikliniken, bei der Polizei, Behörden, Justiz und aus der Landesverwaltung in Düsseldorf nahmen an der landesweiten Großdemonstration teil. Zum Warnstreik aufgerufen hatten mehrere Gewerkschaften.
In Hamburg demonstrierten etwa 4.500 Landesbeschäftigte für höhere Entgelte. Auf die Straße gingen Mitarbeiter bei Behörden wie Meldeämtern. Auch die Angestellten und Arbeiter an Schulen, Hochschulen und Feuerwehrwachen wurden aufgefordert, die Arbeit zeitweise niederzulegen.
In Hannover nahmen nach Angaben der Polizei am Vormittag etwa 1.700 Menschen an der zentralen Streikkundgebung teil. Ebenso gingen Landesbeschäftigte auch in Bremen, Kiel, Leipzig, Jena, Magdeburg, München, Erlangen, Karlsruhe, Heidelberg oder Saarbrücken auf die Straßen. Von Warnstreiks betroffen waren unter anderem Unikliniken, Universitäten, Landesämter und Kitas.
Weil auch Mitarbeiter von Landesstraßenbauverwaltungen zum Streik aufgerufen waren, waren etwa in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen zeitweise Tunnel und Brücken gesperrt.
Sieben Prozent mehr Geld gefordert
Am Mittwoch sollen die Verhandlungen in der dritten Runde in Potsdam fortgesetzt werden. Sie betreffen alle Bundesländer außer Hessen, das der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) seit 2004 nicht mehr angehört. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Geld im Monat, mindestens aber 300 Euro mehr.
Auszubildende, Studenten und Praktikanten sollen monatlich 200 Euro mehr erhalten. Auch wollen die Gewerkschaften, dass ihre Mitglieder über einen zusätzlichen freien Tag verfügen können. Die Laufzeit des Vertrags soll zwölf Monate betragen.
Die Arbeitgeber streben hingegen nach ihren ersten Eckpunkten eine Erhöhung der Entgelte leicht über der Inflationserwartung in drei Schritten in den Haushaltsjahren 2026, 2027 und 2028 mit einer Laufzeit von 29 Monaten an.
Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), verwies in einer Stellungnahme auf vorgelegte weitreichende Eckpunkte, die im Saldo über fünf Prozent Steigerung enthielten. "Das können und werden wir weiter konkretisieren." Man setze auf konstruktive Gespräche mit den Gewerkschaften. Es gelte dabei, die finanziellen Realitäten anzuerkennen.
Werneke: "So geht das nicht"
Bei der Kundgebung im Düsseldorf bezeichnete der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke den von Arbeitgeberseite vorgeschlagenen "Lösungskorridor" als "eine Frechheit". "Das lassen wir uns nicht bieten". Die Arbeitgeber hätten bisher kein verbindliches Angebot vorgelegt, im Verhandlungsraum seien auch keine konkreten Zahlen genannt worden. "So geht das nicht", unterstrich der ver.di-Chef.
Der Chef des dbb-Beamtenbunds, Volker Geyer, sprach von "Zahlenspielchen" der Arbeitgeber, die zudem die Forderung nach einem Mindestbetrag kategorisch abgelehnt hätten. Damit lasse man sich nicht abspeisen.
Warneke lässt Kompromissbereitschaft durchblicken
Warneke signalisiert aber auch Kompromissbereitschaft. "Die Tarifergebnisse kommen immer nur durch einen Kompromiss zustande. Der muss dann halt aber auch so sein, dass er für die Beschäftigten tragbar ist", sagte der ver.di-Chef der Nachrichtenagentur dpa. "Wir werden ja am Ende der Tarifrunde eine Mitgliederbefragung machen, wie wir das immer machen als ver.di. Und deshalb brauchen wir auch ein Ergebnis, wo unsere Mitglieder sagen: 'Ja, das passt für uns'", verdeutlichte er.
Werneke machte zugleich deutlich, dass der Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen des vergangenen Jahres ein Maßstab sei. Hier gab es nach einem Schlichtungsverfahren eine Einigung auf eine Entgelterhöhung von insgesamt 5,8 Prozent in zwei Schritten bei 27 Monaten Laufzeit des Tarifabschlusses.
Für Mittwoch rufen die Gewerkschaften ver.di, GEW, IG-BAU und GdP in Berlin und Brandenburg zu Warnstreiks im öffentlichen Dienst auf. Hier muss mit Einschränkungen oder auch kompletten Schließungen bei vielen Behörden oder Bildungseinrichtungen gerechnet werden.
Epstein-Affäre in Großbritannien: Starmer ergreift die Flucht nach vorn

Der Epstein-Skandal erschüttert die britische Politik. Nach zwei Rücktritten in seinem Umfeld steht Premier Starmer massiv unter Druck. Doch in der politischen Krise zeigt er plötzlich eine andere Seite von sich.
Der Wochenanfang war für den britischen Premierminister Keir Starmer eine politische Nahtoderfahrung. Nachdem sowohl sein Stabschef als auch sein Kommunikationschef zurückgetreten waren, schien auch Starmers Amt am seidenen Faden zu hängen. Ob seine Tage gezählt seien, wollten die Journalisten in der Downing Street wissen.
Mehrere seiner eigenen Parteikollegen hatten sich für einen Rücktritt des Premiers ausgesprochen. So auch der Chef von Labour in Schottland, Anas Sarwar. Denn die Schotten wählen im Mai ihr neues Parlament. Und das Chaos in der Downing Street dürfe den Wahlkampf nicht überschatten.
Doch dieser Frontalangriff schien das Labour-Kabinett wachgerüttelt zu haben. Denn das stellte sich plötzlich klar hinter ihren Premier. Ed Miliband, Staatssekretär für Energiesicherheit, sagt: "Ihnen hat das nicht gefallen und sie fanden es wichtig, sich hinter Keir zu vereinen, sich auf das Land zu konzentrieren. Wir wollten keinen chaotischen, ungeordneten Führungsstreit so wie bei den Tories, als die an der Macht waren."
"Er war wie ein neuer Mann"
Und so mobilisierte Starmer am Montagabend wohl noch einmal alle Kräfte und kämpfte um sein Amt. Hinter verschlossenen Türen trommelte er die Parteimitglieder zusammen. Der Abgeordnete Karl Turner war dabei: "Er war wie ein neuer Mann. Stark, entschlossen, reflektiert. Reumütig. Aber kein Mann, der auf den Knien lag", so Turner.
Ein Mann also, wie man ihn sonst öffentlich kaum kennt. Starmer ist nicht bekannt für große Gefühle oder leidenschaftliche Reden. Umso größer sei der Applaus gewesen, sagt Lucy Powell, stellvertretende Vorsitzende von Labour: "Es gab mehr Standing Ovations und Unterstützung, als ich in letzter Zeit bei irgendeiner Sitzung gesehen habe."
Nach Tagen der Unruhe und Kritik habe Starmer die Partei mitgerissen, sagt auch Labour-Abgeordnete Emma Reynolds: "Da war ein echtes Gefühl der Einheit. Und der Premier hat seine Entschlossenheit und Verantwortung gegenüber dem britischen Volk betont."
Weiter Druck aus der Opposition
Demonstrativ, so scheint es, versucht Labour nun also zu vermitteln: Das hier ist kein Ende, sondern ein Neuanfang. Der Premier ist anscheinend nochmal davongekommen. Trotzdem bleibt er schwer angeschlagen. Und die Opposition lässt nicht von ihm ab.
"Die Labour-Partei wurde gewählt, um Veränderungen zu bringen, das Chaos zu beenden, das wir unter den Konservativen erlebt haben. Keir Starmer hat versagt" sagt etwa Ed Davey, Chef der Liberaldemokraten." Jeden Tag haben wir Seifenoper. Das schadet dem Land und heißt, dass sich Dinge wie unser Gesundheitswesen nicht so verbessern, wie sie sollten."
Und der Chef von Reform UK, Nigel Farage, ist sich sicher: Bis zur nächsten Parlamentswahl werde der Premier nicht durchhalten.
Generelle Politikverdrossenheit
So oder So. Die britische Bevölkerung habe langsam die Nase voll von denen da oben, sagt Luke Trill vom ThinkTank More in Common: "Es ist wichtig zu sagen, dass das nicht der übliche, gesunde britische Zynismus gegenüber Politik und Politikern ist, sondern ein tieferes Gefühl, dass nicht nur unsere Politik, sondern auch unsere Institutionen nicht mehr das liefern können, was die Menschen wollen."
Als Nächstes stehen große Herausforderung an für den Premier: Eine wichtige Nachwahl für einen Parlamentssitz Ende Februar, Kommunalwahlen im Mai. Für den Moment aber wird er vielleicht kurz aufatmen können.
Verschärfte Asylregeln: EU-Parlament beschließt Liste sicherer Herkunftsstaaten

Das Europäische Parlament hat final eine Liste sicherer Herkunftsländer gebilligt. Für Asylsuchende aus den betroffenen Ländern bedeutet das: strengere Regeln und schnellere Verfahren.
Die EU verschärft ihre Asylregeln. Eine Mehrheit der Abgeordneten im Parlament hat für die Einführung der ersten EU-weiten Liste sicherer Herkunftsstaaten gestimmt. Künftig gelten Kosovo, Bangladesch, Kolumbien, Ägypten, Indien, Marokko und Tunesien als sicher. Asylanträge von Staatsangehörigen dieser Länder sollen beschleunigt geprüft werden.
Grundsätzlich sollen auch EU-Beitrittskandidaten als sichere Herkunftsstaaten eingestuft werden. Ausgenommen sind Länder, in denen Krieg herrscht oder schwere Menschenrechtsverletzungen vorliegen. Ziel der Regelung ist es, Asylverfahren innerhalb der EU zu vereinheitlichen und zu verkürzen.
Kürzere Asylverfahren
Mit der Einstufung ändern sich die Bedingungen für Antragstellende. Verfahren werden verkürzt, zugleich liegt die Beweislast stärker bei den Asylsuchenden. Häufig ist auch der Zugang zum Arbeitsmarkt eingeschränkt.
Kritik kam von 39 Such- und Rettungsorganisationen sowie Menschenrechtsgruppen, darunter Pro Asyl und SOS Humanity. Sie hatten die Abgeordneten aufgerufen, die Liste abzulehnen.
Kritik aus dem Parlament
Auch der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt äußerte sich kritisch. Abschiebungen würden durch die Regelung nicht erleichtert, da diese auch ohne eine solche Einstufung möglich seien. Stattdessen hätten Asylsuchende aus den betroffenen Ländern weniger Rechte, etwa beim Arbeitsmarktzugang, was integrationspolitisch problematisch sei.
Die Regelung ist Teil des EU-Migrations- und Asylpakets, das im Juni 2026 in Kraft treten soll.
Epstein-Affäre: EU-Politiker fordern Ermittlungen in Europa

Großbritannien, Norwegen, Frankreich: Die Verbindungen des Sexualstraftäters Epstein reichten bis in europäische Regierungen hinein. EU-Abgeordnete fordern nun eine gemeinsame Aufarbeitung. Die Grünen wollen Nachforschungen in Deutschland.
Der Epstein-Skandals zieht immer weitere Kreise: Nicht nur politisch erhöht sich der Druck, auch juristisch soll es Änderungen geben: Zur Aufklärung des Epstein-Skandals sollen nach Ansicht von Europaabgeordneten deshalb auch EU-Behörden beitragen.
Die Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im Europäischen Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), sagte dem Handelsblatt: "Europäische Institutionen wie Europol und die zuständigen EU-Geldwäschebehörden sollten vorhandene Erkenntnisse umgehend und systematisch auswerten und, wo erforderlich, eng mit internationalen Partnern zusammenarbeiten." Gerade grenzüberschreitende Netzwerke ließen sich nur gemeinsam wirksam aufklären, so die liberale Europaabgeordnete.
Barley will europäische Ermittlungen
Auch die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD) sprach sich für europäische Ermittlungen aus: "Wir dürfen uns nicht allein auf die Untersuchungen der USA verlassen", sagte Barley dem Handelsblatt. Die Kompetenz für Ermittlungen liege zwar bei den Mitgliedstaaten selbst. Ein koordiniertes Vorgehen auf europäischer Ebene sei in solchen grenzüberschreitenden Fällen aber unglaublich wichtig.
Europol könne die nationalen Ermittlungen unterstützen, glaubt Barley. Der Skandal habe eine erhebliche internationale Dimension: "Wir müssen jeglichen Hinweisen auf mögliche Verbindungen des Epstein-Netzwerks nach Europa nachgehen, insbesondere weil der Verdacht ausländischer Einflussnahme im Raum steht", sagte sie.
Politiker unter Druck
Nach der jüngsten Veröffentlichung von Dokumenten zum Fall Epstein sind ehemalige europäische Regierungsvertreter wegen finanzieller Verflechtungen mit dem Sexualstraftäter ins Visier der Behörden geraten. Gegen den früheren britischen Wirtschaftsminister Peter Mandelson laufen Ermittlungen, weil er während der Finanzkrise sensible Informationen an Epstein weitergegeben haben soll.
Dies belastet auch zunehmend die Amtsführung von Premier Keir Starmer, der Mandelson als Botschafter entsandt hatte. Starmers Stabschef war im Zuge der Enthüllungen bereits zurückgetreten.
In Frankreich prüfen die Behörden Vorwürfe wegen möglichen Steuerbetrugs gegen den früheren Kulturminister Jack Lang. In Norwegen ist neben Kronprinzessin Mette-Marit auch Ex-Ministerpräsident Thorbjörn Jagland betroffen. Die Polizei in Oslo ermittelt nun wegen Korruptionsverdachts.
Grüne fordern Aufklärung
Die Grünen-Bundestagsfraktion fordert von der Bundesregierung mehr Engagement. Es brauche eigene Nachforschungen zu Epstein und möglichen Betroffenen in Deutschland: "Die Haltung der Bundesregierung zu den Epstein-Files zeigt eine Ignoranz für die mögliche größere Dimension des Skandals, die gefährlich und mindestens fahrlässig ist", so die Parlamentarische Geschäftsführerin Irene Mihalic.
Der 2019 gestorbene US-Multimillionär Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem zahlreiche junge Frauen und Mädchen zum Opfer fielen. Zugleich unterhielt er enge Kontakte zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
EU-Parlament in Straßburg: Immunität von AfD-Politiker Bystron aufgehoben

Das Europaparlament hat die Immunität des AfD-Politikers Bystron erneut aufgehoben. Die Generalstaatsanwaltschaft München darf nun weiter gegen ihn ermitteln. Hintergrund sind Betrugsvorwürfe.
Eine Mehrheit des Europaparlaments hat sich in Straßburg für die Aufhebung der Immunität des AfD-Politikers Petr Bystron ausgesprochen. Zuletzt hatte die Generalstaatsanwaltschaft München gegen ihn Vorermittlungen wegen Betrugs in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter geführt. Diese können nun fortgesetzt werden.
Bystron könnte eine private Reinigungskraft über die Mitarbeiterpauschale des Bundestags abgerechnet haben, hatte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft zuvor mitgeteilt. Zu den konkreten Vorwürfen wollte sich Bystron auf Anfrage nicht äußern. Er hat sich selbst mit Blick auf das Verfahren stets als Opfer politischer Verfolgung beschrieben.
Immunität bereits zweimal aufgehoben
Bystron war von 2017 bis 2024 Bundestagsabgeordneter und zog 2024 ins Europäische Parlament ein. Seine Immunität wurde im EU-Parlament schon zweimal wegen anderer Verfahren aufgehoben, auch der Bundestag hatte bereits Ermittlungen gestattet.
In einem Fall verurteilte das Amtsgericht München Bystron wegen der Verbreitung einer Fotomontage in sozialen Medien zu einer Geldstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Verteidigung und Staatsanwaltschaft haben Rechtsmittel eingelegt.
Im anderen Fall steht der Verdacht auf Geldwäsche und Bestechlichkeit im Raum. Der Politiker soll vom prorussischen Portal "Voice of Europe" Geld erhalten haben, um im Bundestag im Gegenzug im Sinne Russlands zu agieren. Auch diesbezüglich hat Bystron die Vorwürfe gegen ihn stets zurückgewiesen und das Verfahren als politisch motiviert bezeichnet. Die Ermittlungen dazu laufen.
Neue Studie: Viele Gewalttaten werden nicht angezeigt

Gewalt in Beziehungen bleibt oft verborgen: Eine neue Studie zeigt eine hohe Dunkelziffer - nur wenige Betroffene erstatten Anzeige. Körperliche Gewalt erfahren demnach 18 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer.
Isabelle spricht mit niemandem über die Gewalt, die ihr zu Hause angetan wird. Für Freunde und die Familie überlegt sie sich Geschichten, um Blutergüsse zu erklären. Das ändert sich erst, als Isabelle in ärztliche Behandlung muss. Ihr damaliger Partner hatte ihr ins Gesicht geschlagen, die Diagnose: ein gebrochenes Nasenbein.
Weil sie weiß, dass ihre Ärztin der Schweigepflicht unterliegt, traut sie sich erstmals, über die Gewalt in ihrer Beziehung zu sprechen. Die Ärztin vermittelt sie an eine Selbsthilfegruppe. Isabelle schafft es, aus dem Leid zu entkommen, Anzeige hat sie aber nicht erstattet.
Neue Studie zur hohen Dunkelziffer
Isabelles Fall ist damit einer, der zur großen Dunkelziffer an Gewalttaten in Deutschland zählt. Denn in der Polizeistatistik werden nur Fälle erfasst, die auch zur Anzeige gebracht werden. Isabelle ist nicht zur Polizei gegangen, zu groß war ihre Angst.
Eine neue Studie soll nun Aufschluss über die Zahl an Gewalttaten in Deutschland geben, die im Verborgenen bleiben. "Es geht darum, die Opfer von Gewalt in den Mittelpunkt zu stellen. Die Opfer brauchen Schutz und müssen sich frei bewegen können", so Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).
Zwei Jahre lang wurden mehr als 15.000 Menschen befragt. Die Studie, die vom Bundesfamilienministerium, dem Bundesinnenministerium und dem Bundeskriminalamt beauftragt wurde, zeigt: Nur ein Bruchteil der Fälle wird angezeigt, meist weniger als fünf Prozent.
Laut Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) mache die Studie deutlich, wie weit Gewalt in unserer Gesellschaft verbreitet sei und wie wenig davon ans Licht käme: "Die Zahlen machen sichtbar, was lange im Verborgenen lag: Das Dunkelfeld bei partnerschaftlicher und sexualisierter Gewalt ist riesig. Gewalt ist kein Randphänomen, sie betrifft Millionen Menschen in unserem Land."
Gewalt innerhalb und außerhalb von (Ex-)Partnerschaften
Themenschwerpunkte der Befragung waren unter anderem körperliche und psychische Partnerschaftsgewalt, sexualisierte Gewalt, digitalisierte Gewalt sowie Gewalterfahrungen in der Kindheit. Auch Männer wurden erstmals repräsentativ in die Studie aufgenommen. Außerdem gibt sie Aufschluss über die Schwere der Taten.
Ein Schwerpunkt der Studie: Gewalt in (Ex-)Partnerschaften. Fast die Hälfte aller Frauen ist laut Studie mindestens einmal im Leben von psychischer Gewalt betroffen, bei Männern sind es 40 Prozent.
Körperliche Gewalt erfahren der Studie zufolge 18 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer. Der Unterschied liege hier in der Intensität der Gewalt. Frauen berichten demnach von mehr Angst, schwereren und mehr Verletzungen. Sowohl bei psychischer als auch bei körperlicher Gewalt liegt die angegebene Anzeigequote meist unter drei Prozent.
Polyviktimisierung, Stadt-Land-Gefälle, Täterprofile
Ein weiteres zentrales Ergebnis: Personen, die von einer Form der Gewalt betroffen sind, geben an, auch anderweitig Gewalt erfahren zu haben. Rund 25 Prozent der Befragten würden diese sogenannte Polyviktimisierung erleben. Außerdem geben queere Personen an, überdurchschnittlich von allen untersuchten Gewaltformen betroffen zu sein. Ähnlich verhält es sich bei Personen mit Migrationshintergrund. Laut Studie sind vor allem Frauen mit Migrationshintergrund verstärkt digitaler Gewalt ausgesetzt.
Gewalt gegen Frauen werde überwiegend durch Männer verübt. Männer erleben den Daten zufolge psychische und körperliche Gewalt häufig durch Frauen, sexualisierte Gewalt hingegen oft durch Männer.
Datengrundlage nach 20 Jahren
Dass es nun eine neue Datenlage gibt, begrüßt Gesa Birkmann, Geschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes". Mehr als 20 Jahre habe sie darauf gewartet. Die letzte Dunkelfeldstudie stammt aus 2004. Danach habe lange der politische Wille gefehlt, sich mit dem Thema Gewalt auseinanderzusetzen, sagt Birkmann.
Zuletzt sei der Druck aber zu hoch geworden. Der Grund: Die sogenannte Istanbul-Konvention, ein Übereinkommen, in dem sich Deutschland zusammen mit anderen Ländern zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen verpflichtet hat.
Frühzeitig Muster erkennen
Bei den bloßen Zahlen dürfe es jetzt aber nicht bleiben, erklärt Birkmann. "Es ist wichtig, dass durch die Datenlage natürlich auch die Politik ins Handeln kommt." Diese Zahlen erzeugten erheblichen Druck. Es müsse nun beispielsweise verpflichtende Schulungen an Arbeitsplätzen und in Schulen geben, mit dem Ziel, über die vielen Formen von Gewalt aufzuklären - oder, um Betroffene ausfindig zu machen.
Auch Isabelle, die Gewalt durch ihren Ex-Partner erlebt hat, spricht von einer Spirale der Gewalt, die anfangs oft nicht bemerkt werde. "Es ist wichtig, dass man darüber aufklärt, wie Gewalt in einer Beziehung aussehen kann. Auch psychische Gewalt. Wenn man manipuliert oder kleingehalten wird. Das wird schnell akzeptiert und als gegeben hingenommen." Das frühzeitig zu erkennen, sei entscheidend, sagt Isabelle.
Unterstützung für eine potentielle Strafverfolgung ist laut Dobrindt geplant: Unter anderem durch die Verbreitung einer "Tarn-App" zur Dokumentation von Gewalttaten, eine härtere Bestrafung beim Gebrauch von K.O.-Tropfen und die Einführung einer Fußfessel nach Spanischem Modell.
"Safer Internet Day": Wie Internetnutzung sicherer werden kann

Online-Betrug, Manipulation, emotionale Abhängigkeit von KI: Die Risiken im Internet sind vielfältig - und viele Nutzer handeln unvorsichtig. Am heutigen "Safer Internet Day" wird weltweit für mehr Sicherheit im Netz geworben.
Der "Safer Internet Day" ist ein weltweiter Aktionstag für mehr Online-Sicherheit. Der Tag findet seit 2004 jedes Jahr statt - diesmal unter dem Motto "KI and me - in künstlicher Beziehung". Durch Künstliche Intelligenz verändert sich das Internet maßgeblich: Betrugsversuche werden für die meisten Nutzer immer schwieriger zu erkennen.
Cyberkriminalität führt zu hohem finanziellen Schaden
Vor allem persönliche Daten sind für Betrüger interessant. Diese erbeuten sie zum Beispiel durch Phishing-Angriffe. Dafür nutzen sie E-Mails oder Webseiten, die exakt auf die Opfer zugeschnitten sind, um diese zu täuschen. Oft entsteht ein finanzieller Schaden. Bitkom, der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, schätzt ihn für das vergangene Jahr allein in Deutschland auf 202 Milliarden Euro.
Für Verbraucher bleibt bislang der beste Schutz, aufmerksam und vorsichtig zu sein. Claudia Plattner rät, regelmäßige Updates durchzuführen, um Sicherheitslücken im System zu verhindern. Auch durch die Nutzung von Passkeys statt einfachen Passwörtern steige die Sicherheit. Das BSI hat auf seiner Internetseite weitere Tipps für eine sichere Nutzung des Internets zusammengestellt.
Emotionale Abhängigkeit von KI als Problem
Der "Safer Internet Day" soll die Aufmerksamkeit aber auch auf die Rolle Künstlicher Intelligenz als emotionaler Partner im Alltag junger Menschen richten. Denn gerade Jugendliche würden Künstliche Intelligenz häufig als soziales Gegenüber wahrnehmen. Kinder und Jugendliche sollten deshalb mehr Medienkompetenz erlernen, fordern Experten.
Der Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger warnt besonders vor emotionaler Abhängigkeit und krimineller Manipulation. Für ihn bestehe langfristig die Gefahr, dass soziale Fähigkeiten verkümmerten oder falsche, rechtlich oder moralisch problematische Ratschläge gegeben würden, sagte Rüdiger der Nachrichtenagentur dpa.
In Deutschland wurde zuletzt über weitere Schutzmaßnahmen diskutiert - darunter strengere Altersverifikationen für soziale Netzwerke und wirksamere Vorgaben für Plattformbetreiber.
Buch von Ex-Geisel Eli Sharabi: "Ich wollte ein menschliches Wesen bleiben"

491 Tage war Eli Sharabi in Geiselhaft in Gaza - und hat darüber ein Buch geschrieben. Darin schildert der Familienvater, wie er auch in den dunkelsten Stunden durchgehalten hat, um zu überleben.
Eli Sharabi blickt hinaus aufs Meer. Die Wellen brechen sich am Strand von Herzliya unweit von Tel Aviv. Ein Jahr ist her, dass der 53-Jährige durch einen Geiseldeal mit der Hamas im Gazastreifen freikam.
491 Tage lang war der Familienvater aus dem Kibbuz Beeri eine Geisel der Terrororganisation Hamas, verbrachte die meiste Zeit ohne Sonnenlicht in den Tunneln im Gazastreifen. Es bedeute Freiheit, das Meer zu sehen und den Wellen zuzuhören, erzählt er. "Davon haben wir 50 Meter unter dem Boden nur geträumt. Ich habe Glück, hier am Leben zu sein, in Freiheit."
Das Meer erinnere ihn an seinen Bruder Yossi, der gerne surfte. Yossi Sharabi wurde auch am 7. Oktober 2023 entführt. Er starb in Gefangenschaft bei einem Luftangriff. Immer wieder holen Eli Sharabi die Erinnerungen an den 7. Oktober ein - als Hunderte Terroristen den Kibbuz Beeri überfielen.
Eli war mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern, 13 und 16 Jahre alt, in den Schutzraum ihres Hauses geflüchtet.
Die Terroristen lachten und filmten
Bevor er durch den Zaun nach Gaza in ein gestohlenes Auto gezerrt wurde, sie ihn mit einer Decke zudeckten, habe er mehr als 100 Terroristen gesehen. Sie seien in jedem Haus gewesen.
Er habe das brennende Haus eines Freundes gesehen, den sie getötet hatten. Die Terroristen lachten dabei und filmten sich. Das werde er nie vergessen, sagt Eli Sharabi und hält inne. Er habe in einen Überlebensmodus geschaltet.
In der Gefangenschaft habe er das Gefühl gehabt, "wenn dich etwas töten kann, dann ist es der Hunger."
Manchmal habe es eine Schüssel Pasta gegeben, berichtet er. "Dann musst du 24 Stunden warten, bis es wieder etwas zu essen gibt. Du zählst jedes Reiskorn. Du teilst es mit anderen Geiseln. Wenn du stirbst, kannst du sagen, du hast versucht, ein Mensch zu bleiben und dass du fair zu deinen Freunden warst."
Nach einem Monat wurde Eli in einen Hamas-Tunnel gebracht, wo er andere Geiseln traf. Hersh Goldberg Polin und Ori Danino wurden später von der Hamas erschossen. Sie hätten sich geholfen, zu überleben. Er habe versucht, für Disziplin beim Aufteilen von Essen zu sorgen - gegen den Hunger.
Gewichte heben - mit einer Wasserflasche
Es sei wichtig gewesen, eine Routine zu haben. Morgens hätten sie gebetet, mittags versucht zu essen. Obwohl er mit einer Eisenkette angekettet war, für 485 Tage, sagt Eli, habe er versucht, etwas zu gehen. Gewichte heben mit einer Wasserflasche, um bei Kräften zu bleiben.
Die Angst sei ständiger Begleiter gewesen: "Du siehst die geladenen Waffen, sie halten sie dir an den Kopf, bedrohen dich. Du hast immer Todesangst." Was ihm geholfen habe, sei sein Versprechen an seine Frau und seine Töchter gewesen, dass er wiederkomme.
Er erzählt, dass er die anderen Geiseln ermuntert habe, jeden Tag von etwas Positivem zu erzählen, um das Eingesperrtsein psychisch zu überstehen, etwa dass es mal Tee gab oder dass die Entführer sie einen Tag lang nicht quälten.
Spitznamen für die Geiselnehmer
Für die Geiselnehmer habe er sich Namen ausgedacht wie Dreieck, Kreis oder Maske, schreibt Eli in seinem Buch "491 Tage", in dem er die Grausamkeiten minutiös beschreibt.
Sie seien ausgehungert und geschlagen worden, hätten sich nur alle sechs Wochen waschen dürfen. Die Terroristen hätten ihnen erzählt, dass sie 20 Jahre lang bleiben müssen, dass ihr Land und ihre Familien sie vergessen hätten. Der Verlust der Kontrolle über das eigene Leben sei das Schlimmste gewesen.
Trauer um Frau und Töchter
Eines Tages habe ein Entführer gesagt, er habe Sharabis Frau und Kinder im Fernsehen gesehen. Das sei das einzige Mal gewesen, dass er in Gaza weinte, sagt Sharabi.
Als er nach 491 Tagen durch Verhandlungen freikam, wog er noch 44 Kilogramm. Die Aussicht, seine Familie wiederzusehen, habe ihn angetrieben:
Er will nicht zurück ins Kibbuz
Am Grab habe er sich bei seiner Familie entschuldigt, dass er sie nicht beschützen konnte. Sharabi hat sich vorgenommen, nach vorne zu blicken. Doch noch immer ist die Waffenruhe brüchig. Die Hamas und die israelische Armee liefern sich weiter Gefechte. Viele, die einst in Beeri wohnten, wollen nicht zurück in ihr Kibbuz, auch Sharabi nicht.
"Wenn die Hamas in ein bis zwei Jahren noch immer das Sagen im Gazastreifen hat, wird es weitergehen. Sie werden Israel niemals als Staat anerkennen." Sie wollten Israel zerstören - "das haben sie uns dauernd gesagt. Und dass sie wiederkommen, um uns zu töten."
Er könne nichts tun, um seine Familie zurückzubringen, sagt Eli Sharabi. Oft komme er hierher ans Meer, wo er mit seiner Familie war, oder sitze im Auto und mache die Musik an, die er mit seinen Töchtern gehört hat.
Bericht zur Korruptionsbekämpfung: Deutschland legt zu - hat aber wachsende Probleme

Deutschland liegt im Korruptionsindex von Transparency International auf einem besseren Platz als im Vorjahr. Doch die Nichtregierungsorganisation warnt: Das liegt vor allem an der Schwäche anderer Länder.
Im jährlichen Korruptionsindex von Transparency International hat sich Deutschland im weltweiten Vergleich um fünf Plätze verbessert. Die Bundesrepublik liegt im neu veröffentlichten Ranking der Nichtregierungsorganisation für das vergangene Jahr auf Platz 10 von 182 erfassten Staaten. Transparency nennt das "auf den ersten Blick begrüßenswert".
Die schlechte Nachricht sei aber, dass die deutsche Platzierung kein Grund sei, "sich zurückzulehnen" - denn der Aufstieg resultiere vor allem aus dem Abstieg anderer Länder wie Australien, Irland oder Uruguay. Zudem zeige der Zehnjahresvergleich, dass Deutschland in der Korruptionsbekämpfung zurückfalle: Auf der Transparency-Skala von 0 Punkte - als sehr korrupt wahrgenommen - bis 100 Punkte - völlige Korruptionsfreiheit - ging es für die Bundesrepublik seit 2016 von 81 Punkten runter auf 77 im vergangenen Jahr. 2024 waren es 75 Punkte.
Bürokratiabbau bedeute auch Abbau von Kontrollmechanismen
Die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Alexandra Herzog, sagte, für die Bundesrepublik müsse sogar ein weiterer Abwärtstrend befürchtet werden - ausgerechnet wegen des Bürokratieabbaus: Denn unter diesem Schlagwort würden teilweise zentrale Kontrollmechanismen gegen Korruption abgebaut.
Das zeige sich vor allem beim Vergaberecht, das durch ein beschlossenes Gesetz zur Beschaffungsbeschleunigung der Bundeswehr und das geplante Vergabebeschleunigungsgesetz stark beschnitten werde. "Dabei wäre in Anbetracht der in den vergangenen Jahren beschlossenen Sondervermögen ein Mehr an Transparenz (und Rechenschaft) notwendig, um Korruption, Günstlings- und Misswirtschaft wirksam zu beschränken, Wettbewerb zu ermöglichen und Schutzmechanismen zu stärken", sagte Herzog.
Dänemark vorn, USA auf Allzeittief
Das am wenigsten korrupte Land im Transparency-Index ist - zum achten Mal in Folge - Dänemark. Danach folgen Finnland, Singapur, Neuseeland, Norwegen, Schweden, die Schweiz, Luxemburg, Niederlande.
Staaten wie Großbritannien und die USA haben in den vergangenen zehn Jahren in der Transparency-Wertung viele Punkte eingebüßt. Großbritannien verschlechterte sich um elf Punkte auf 70 und liegt nun im Ranking auf Platz 20. Die USA büßten seit 2016 zehn Punkte ein und haben nun 64 Punkte, was Platz 29 im weltweiten Ranking bedeutet - ein Allzeittief für das Land.
Die Ukraine, die schon oft wegen Korruption in den Schlagzeilen war, erreicht 36 Punkte und liegt auf Platz 105. Ganz am Ende der Liste stehen Länder, die von einem Zerfall der staatlichen Institutionen, von Krieg und Konflikten geprägt sind: Schlusslicht ist der Südsudan, davor liegen Somalia, Venezuela, der Jemen, Libyen, Eritrea und der Sudan.
"Korruption nimmt weltweit zu"
Insgesamt zieht Transparency in seinem aktuellen Bericht ein negatives Fazit: "Korruption nimmt weltweit zu." Vor zehn Jahren habe es noch zwölf Länder mit mehr als 80 Punkten gegeben, heute seien es nur noch fünf. Der globale Durchschnitt habe mit 42 Punkten den tiefsten Wert seit mehr als zehn Jahren erreicht.
"Besonders beunruhigend ist, dass von diesem negativen Trend auch gefestigte Demokratien, also Länder mit eigentlich robusten Antikorruptionsstrukturen betroffen sind", erklärte Transparency-Deutschland-Chefin Herzog. "In Ländern, in denen Rechtsextreme und populistische Parteien an die Macht gekommen sind, werden Schutzmechanismen gegen Korruption meist massiv abgebaut."
Der Abstieg zeige sich vor allem in Ungarn
Dort, wo der Rechtsstaat geschwächt, die Freiheit der Medien und der Zivilgesellschaft beschnitten würden, breite sich Korruption aufgrund fehlender Kontrollinstanzen rasch aus. Das zeige sich besonders deutlich in Ungarn, sagte Herzog. Das Land sei im Ranking weiter abgestiegen - auf die bisher niedrigste Punktzahl (40) innerhalb der EU.
Der Index von Transparency International ist der weltweit bekannteste Korruptionsindikator. Er umfasst 182 Staaten und Gebiete und bewertet den Grad der in Politik und Verwaltung wahrgenommenen Korruption. Der Index beruht auf der Einschätzung von Expertinnen und Experten sowie Führungskräften. Der sogenannte Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) basiert auf Einschätzungen zur Korruption im öffentlichen Sektor, die von Experten aus internationalen Institutionen und Forschungsgruppen abgegeben werden.
Rund 41 Fälle pro Monat: Zahl der Straftaten gegen Journalisten gestiegen

Neue Zahlen der Bundesregierung zeigen einen Zuwachs politisch motivierter Straftaten gegen Medien in Deutschland. Besonders häufig ordnen die Behörden die Taten dem rechten Spektrum zu.
Journalisten in Deutschland werden immer häufiger Ziel von Straftaten. Nach Angaben der Bundesregierung registrierte die Polizei vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 bundesweit 818 politisch motivierte Straftaten gegen Medien. Darunter waren 89 Gewaltdelikte. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Rheinischen Post vorliegt.
Rund ein Drittel - insgesamt 244 - der erfassten Taten ordnet die Polizei dem rechten Spektrum zu. 78 Straftaten werden dem linken Spektrum zugerechnet. In 153 Fällen sehen die Behörden eine ausländische Ideologie als Hintergrund, in 31 eine religiöse.
Vergleich zeigt deutlichen Anstieg
Hochgerechnet ergeben sich für den untersuchten Zeitraum im Schnitt etwa 41 Fälle pro Monat. Im Jahr 2023 waren es demnach noch etwa 24 pro Monat gewesen.
Der medienpolitische Sprecher der Linken im Bundestag, David Schliesing, zeigte sich alarmiert. "Das Ausmaß an gewalttätigen Übergriffen und Straftaten gegen Medienschaffende erreicht ein erschreckend hohes Niveau", sagte er. Bund und Länder müssten deutlich mehr für den Schutz journalistischer Arbeit tun.
Reporter ohne Grenzen sieht Bedrohung in Deutschland
Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) berichtete zuletzt von Problemen. Im Bericht "Nahaufnahme" dokumentierte die Organisation für 2025 insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen. Im Jahr zuvor waren es 89 gewesen.
DFB-Pokal: Das Viertelfinalspiel Hertha - Freiburg

Rodeln: Taubitz zündet Turbo zu erstem Olympia-Gold

Nach acht Weltmeistertiteln und fünf Weltcup-Gesamtsiegen ist Julia Taubitz endlich auch auf dem Olympia-Thron angekommen. Eine weitere deutsche Starterin erlebte dagegen einen schwarzen Dienstag.
Julia Taubitz hat ihre erste Olympiamedaille. Im Einsitzer-Rennen der Rodel-Frauen gewann die 29-Jährige am Dienstag (10.02.2026) nach vier Läufen. Die Oberwiesenthalerin, die eine durchwachsene Saison mit EM-Mixed-Gold aber sonst nur einem Weltcupsieg hatte, setzte sich gegen Elina Bota aus Lettland (+ 0,918 Sekunden) und Ashley Farquharson aus den USA (+ 0,957 Sekunden) durch.
Taubitz souverän zu Gold
Nach zwei Läufen von Montag (09.02.2026) mit einem starken zweiten Lauf in Bahnrekord (52,550 Sekunden) durfte die Sächsin im dritten Lauf als Erste ran. Taubitz fuhr die Bestzeit des Durchgangs und profitierte von Fehlern der Konkurrenz - wie auch Teamkollegin Merle Fräbel. So ging es mit komfortablem Vorsprung von 0,7 Sekunden ins Finale. Und dort verteidigte sie die Führung mit einer butterweichen Fahrt und der Bestzeit von 52,707 Sekunden. Sie baute damit ihren Vorsprung sogar noch aus.
Leitner: "Du hast es so verdient"
Bundestrainer Patric Leitner umarmte Taubitz und rief ihr ins Ohr: "Du hast es so verdient." Taubitz nahm die deutsche Fahne, vergoss Tränen der Freude und umarmte kurz darauf ihre Familie und Freunde mit Mama Simone. Vor vier Jahren war Taubitz als Weltcupspitzenreiterin zu Olympia gefahren, versteuerte sich aber im zweiten Lauf und stürzte. Nachdem sie im ersten Lauf noch Bahnrekord gefahren war, hatte sie keine Chance mehr auf eine Medaille und wurde am Ende enttäuschte Siebte.
Fehler im 3. Lauf: Fräbel fällt weit zurück
Einen schwarzen Dienstag erlebte Merle Fräbel. Die Suhlerin, die zur Halbzeit nach zwei Läufen am Montag (09.02.2026) noch auf Rang zwei lag, vergab alle Medaillenchancen im dritten Lauf. Gleich nach dem Start leistete sie sich einen groben Fehler, fuhr zweimal an die Bande und fiel mit der nur 20. besten Zeit der 22 Starterinnen auf den zehnten Rang zurück. Mit 1,475 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiterin Taubitz und rund 0,7 Sekunden auf das Podest hatte sie keine Medaillenchancen mehr.
Leitner: "Da blutet das Trainerherz"
"Das ist sehr bitter für Merle, dass sie beim Start den Schlitten verrissen hat", sagte Bundestrainer Patric Leitner nach dem dritten Lauf der 22-Jährigen im ZDF. "Das ist sehr traurig, da leidet man mit. Da blutet das Trainerherz. Ich hoffe, dass sie nochmal einen sauberen Lauf runterbringen kann."
Das gelang der Vize-Weltmeisterin im Finale dann tatsächlich: Mit einem starken vierten und fast fehlerfreien Lauf steuerte sie den Schlitten mit maximal 122,9 km/h und in 52,779 Sekunden ins Tal - damit verbesserte sie sich noch auf Rang acht (+ 1.547 Sekunden).
Peking-Zweite Berreiter wird Sechste
In die Top 10 schaffte es auch Anna Berreiter. Die Silbermedaillengewinnerin von 2022 ging als Achte in den finalen Lauf, verbesserte sich hier noch auf Rang sechs (+ 1,385 Sekunden) und jubelte im Ziel sogar. Bereits zur Halbzeit lag die 26-Jährige als Neunte weit weg von den Medaillen.
Alpine Kombination bei Olympia: Aicher und Weidle-Winkelmann holen nächstes Silber

Kira Weidle-Winkelmann und Emma Aicher haben dank einer Aufholjagd im Slalom eine Medaille in der alpinen Team-Kombination geholt. Für die große Favoritin Mikaela Shiffrin endete das Rennen mit einer herben Enttäuschung.
Beim überraschenden Sieg der Österreicherinnen Ariane Rädler und Katharina Huber belegte das deutsche Duo nach Abfahrt und Slalom den zweiten Rang. Wie schon in der Abfahrt fehlte nur ein Wimpernschlag auf Gold. Am Sonntag waren es vier, diesmal fünf Hundertstelsekunden.
Weidle-Winkelmann hatte in der Abfahrt zunächst nur den sechsten Platz belegt. Ihr Rückstand auf die Medaillenränge betrug knapp eine halbe Sekunde. "Wahnsinn, unglaublich", jubelte sie nach dem Rennen. Beim Lauf von Aicher habe sie emotional fast überfordert. "Es war eine Achterbahn. Emma hat einen richtig geilen Slalom gefahren und zu 100 Prozent abgeliefert, ein Wahnsinnstag!", freute sich die 29-Jährige über ihre erste Olympiamedaille. 2018 hatte sie in der Abfahrt den vierten Rang belegt.
Rang drei ging an Team USA. Aber nicht an die favorisierten Breezy Johnson und Mikaela Shiffrin, sondern an deren Teamkolleginnen Jacqueline Wiles und Paula Moltzan. Shiffrin als letzte Starterin erreichte nur die die 15.-beste Slalomzeit und war über eine Sekunde langsamer als Aicher. Wieder einmal schien der US-Star ihre Nerven bei Olympia nicht im Griff zu haben. Vor vier Jahren war sie bei sechs Starts ohne Medaille geblieben.
Emma Aicher mit Laufbestzeit im Slalom
Auf der recht flüssigen und 540 Meter langen Strecke ging es im Slalom schließlich darum, mit viel Tempo durch die 59 Stangen zu kommen, um Zeit gutzumachen. Was deutlich leichter klingt, als es letztlich ist. Fünf der ersten 14 Fahrerinnen schafften es nicht ins Ziel. Darunter auch Petra Vlhova, die nach ihrer schweren Verletzung im Januar 2024 erstmals wieder bei einem internationalen Rennen an den Start ging.
Aicher zeigte einen kontrollierten, aber starken Lauf. Sie war die Schnellste im Slalom. Mit der Bestzeit im Ziel hieß es nun Warten. Gleich drei Konkurrentinnen waren schließlich langsamer, Italien schied dazu noch aus. Damit durfte erneut über Silber gejubelt werden.
Weidle-Winkelmann verliert in der Abfahrt Zeit
Im ersten Teil der Kombination merkte man den Abfahrerinnen nach dem schweren Sturz von Lindsey Vonn vor wenigen Tagen an, dass sie die Schlüsselstelle im oberen Teil deutlich zurückhaltender angingen. So auch die deutsche Starterin Kira Weidle-Winkelmann. Sie ließ im Vergleich zur Konkurrenz im oberen Teil viel Zeit liegen, die sie in dem steilen Streckenabschnitt später auch nicht mehr wettmachen konnte. Erst in der Gleitpassage vor dem Zielschuss verringerte sie ihren Rückstand ein wenig.
Mit der schnellsten Zeit auf der Olympia delle Tofane in 1:36,59 Minuten hatte die frisch gebackene Goldmedaillen-Gewinnerin Breezy Johnson vermeintlich den Grundstein für die nächste US-Goldparty gelegt. Doch ausgerechnet die beste Slalomfahrerin der Welt Shiffrin hielt dem Druck nicht Stand, war zu langsam und landete schließlich nur auf dem vierten Rang.
Goggia nach Sturz raus aus dem Medaillenrennen
Eine herbe Enttäuschung erlebte die italienische Medaillenhoffnung Sofia Goggia. Nach Bronze in der Abfahrt wollte sie erneut ums Podest mitfahren. Nach etwas mehr als einer Minute Fahrzeit verlor sie den Außenski, kippte nach innen und verlor komplett die Balance. Sie rutschte an einem Tor vorbei und schied aus.
Regionales
Baden-Württemberg: Landtagswahl 2026: Cem Özdemir will BW-Firmen ab 2027 von Bürokratiepflichten befreien

"Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft" lautet sein Wahlkampfmotto. Dabei ist er ein Grüner. Cem Özdemir will die Unternehmen in Baden-Württemberg von unnötiger Bürokratie befreien.
Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir hat versprochen, im Falle eines Wahlsieges die Unternehmen in BW umgehend von überbordender Bürokratie zu entlasten. Im Interview mit SWR Aktuell sagte Özdemir, er habe ein sogenanntes Effizienzgesetz vorgeschlagen und das sehe vor: "Alle Berichtspflichten ersatzlos weg bis 2027." Damit nennt Özdemir erstmals einen konkreten Zeitpunkt für die Bürokratie-Abbaupläne.
Bisher hatte es nur geheißen, dass gleich zu Beginn der nächsten Wahlperiode ein solches Gesetz verabschiedet werden solle, das regelt, dass alle landesrechtlichen Berichts- und Dokumentationspflichten zu einem bestimmten Stichtag auslaufen sollen. Allerdings würde das die hiesigen Unternehmen nur teilweise entlasten, denn der Großteil der Bürokratie-Auflagen kommen von Bund und EU.
Özdemir macht CDU mitverantwortlich für Bürokratieaufbau
Özdemir verwahrte sich gegen Kritik, die Grünen hätten in den vergangenen 15 Jahren unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann für den Aufbau von Bürokratie gesorgt. Der Grünen-Kandidat verwies darauf, dass die Christdemokraten bis zum Jahr 2011 58 Jahre an der Macht gewesen seien, seit 2016 als Juniorpartner mitregiert und dabei die Wirtschaftsministerin gestellt hätten. "Ein bisschen was haben sie, glaube ich, auch in Baden-Württemberg an Spuren hinterlassen."
Er wisse, dass der größte Teil der Bürokratielasten aus Berlin und Brüssel komme. "Das hindert uns nicht daran, unsere Hausaufgaben hier zu machen. Auch hier geht manches besser, schneller, einfacher, digitaler", sagte Özdemir. Statt ein eigenes Ministerium für Digitales oder Bürokratieabbau einzurichten, will er als Ministerpräsident einen Staatsminister für Digitalisierung benennen, der in der Regierungszentrale arbeiten soll.
Krise der Autoindustrie: Özdemir fordert Druck auf China
Auf die Frage, was Özdemir als Ministerpräsident in BW tun würde, um der kriselnden Autoindustrie zu helfen, sagte er: "Ich kann die Zölle von Trump nicht rückgängig machen. Das schafft ja nicht mal der Kanzler, indem er dem Trump einen Golfschläger schenkt. Der nimmt ihn dann und macht trotzdem weiter." Um US-Präsident Donald Trump und seinen Zöllen auf Autos etwas entgegenzusetzen, brauche es eine starke Europäische Union. "Deshalb muss der Ministerpräsident von Baden-Württemberg immer ein in der Wolle gefärbter Europäer sein."
Özdemir schlug zudem vor, dass die EU mehr Druck auf China machen müsse. Er frage sich, was EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hindere, chinesischen Firmen in Europa ähnliche Bedingungen aufzuerlegen, wie das China mit Unternehmen aus der EU mache. Wenn europäische Firmen in China Produkte verkaufen wollen, müssen sie dort Fabriken bauen und mit einheimischen Partnern kooperieren. Er sei zum Beispiel dafür, dass chinesische Firmen, die hierzulande tätig sind, Produkte von europäischen Zulieferern kaufen müssten. "Buy european" müsse das Motto sein.
Der Grünen-Spitzenkandidat widersprach dem Eindruck, dass er mit dem Schwerpunkt auf Wirtschaft einen ähnlichen Wahlkampf mache wie die CDU. "Jeder weiß, dass Cem Özdemir für die Grünen in Baden-Württemberg kandidiert."
Özdemir wehrt sich gegen CDU-Kritik an grüner Mercosur-Ablehnung
Mehrfach wehrte sich Özdemir gegen Vorwürfe der CDU, die im Interview zur Sprache kamen. So hatte etwa CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel den deutschen Grünen vorgeworfen, bei der Abstimmung im Europaparlament über das EU-Handelsabkommen mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay (Mercosur) gemeinsam mit der AfD dagegen gestimmt zu haben. "Da waren auch ein paar Christdemokraten dabei", sagte Özdemir in dem Gespräch. Allerdings haben keine deutschen Christdemokraten dagegen gestimmt.
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Özdemir verwies darauf, dass er sich seit langem für das wichtige Handelsabkommen ausgesprochen habe, das vor allem von Landwirten kritisiert wird. Schon bei den Bauernprotesten Anfang 2024 habe er Mercosur verteidigt. Damals war er noch Bundeslandwirtschaftsminister der Ampel-Bundesregierung. Die CDU habe in der Zeit zu Mercosur geschwiegen. "Die haben sich mutig in die Furche gelegt." Er als Bundesminister habe sich dagegen bei den Protesten nicht gedrückt. Daran könne man erkennen, dass er kein "Schönwetterpolitiker" sei. Damals hatten Tausende Landwirte wochenlang gegen Kürzungspläne der Koalition von SPD, Grünen und FDP protestiert, vor allem gegen die Streichung der Agrardiesel-Subventionen. Die Kürzung sei auch auf seine Initiative hin wieder zurückgenommen worden.
Bayern: Bahnstrecke Nürnberg - Regensburg nur noch im Bus: Wie läuft's?

Seit 6. Februar läuft auf der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg die Generalsanierung. Für Zugreisende heißt das: Bus statt Bahn, fünf Monate lang. Was sagt die Bahn dazu, was sagen die Pendler?
Die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg, 80 Kilometer lang, verbindet zwei der größten Städte Bayerns - und ist nun fünf Monate lang für den Zugverkehr gesperrt. Die Generalsanierung dieser wichtigen und vielbefahrenen Verbindung gilt als Mammutprojekt: 20 Bahnhöfe an der Strecke werden in dieser Zeit barrierefrei umgebaut, Gleise, Weichen, Oberleitungen erneuert, die Leit- und Sicherungstechnik bekommt ein Update. Der Baustart sei planmäßig verlaufen, sagte Lucas Griep, Projektleiter bei der DB InfraGO. Gilt das auch für das zweite riesige Vorhaben neben der Generalsanierung - den Schienenersatzverkehr?
Mittelständler aus Landsberg stemmt Ersatzverkehr
Für den Schienenersatzverkehr (SEV) zuständig ist die deu.mobil GmbH, ein Verkehrsunternehmen mit Sitz in Landsberg am Lech. Sprecherin Viola Breidenbach bilanziert am Montag ein "gutes erstes Wochenende". Auch im morgendlichen Berufsverkehr sei es gut gelaufen, so Breidenbach.
Doch ganz ohne Probleme lief es nicht für jeden: Ein Fahrgast in Nürnberg sagte dem BR, bei ihm sei kein Bus gekommen. Eine Frau sagte, es habe gut geklappt, sie müsse jedoch eine Stunde früher aufstehen. Im Lauf des Wochenendes sei bereits nachjustiert worden, bestätigt Viola Breidenbach. So habe die deu.mobil etwa weitere Schilder aufgestellt, Haltestellen verschoben und spontane Baustellen mit eingeplant. "Wir beobachten und steuern nach", so die Sprecherin.
In fünf Monaten von pfui zu hui
Wie groß die Aufgabe Schienenersatzverkehr ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Die Strecke Nürnberg - Regensburg gehört laut Bahn mit über 350 Zügen täglich zu den verkehrsreichsten im Freistaat. Sie galt vielleicht gerade deshalb bisher als hochbelastet, die Infrastruktur sei teilweise veraltet und sehr störungsanfällig, so InfraGO-Projektleiter Griep.
In nur fünf Monaten sollen sich diese Adjektive ins Gegenteil verändern. "Was jetzt schon läuft, ist der Rückbau der Personenbahnhöfe und der Rückbau der Gleisanlagen", sagte Griep am Montag zu BR24. In den nächsten Tagen würden 2.000 Bauarbeiter mit 80 Maschinen damit beginnen, den gesamten Anlagenbedarf zu erneuern: "Gleise, Weichen, Oberleitungen, Bahnhöfe, Bahnsteige et cetera".
Pro Bahn kritisiert Zustand der Umleitungsstrecken
Weniger Störungen und damit weniger Verspätungen will die Bahn erreichen. Lukas Iffländer von Pro Bahn sagt, der Fahrgastverband stehe hinter dem Konzept der Generalsanierungen. Er kritisiert aber, dass die Umleitungsstrecken nicht ausgebaut worden sind, und dass trotz der Vollsperrung nicht alles saniert werden wird.
Demnach fehle das Europäische Zugleitsystem ETCS, außerdem würden mehrere marode Brücken entlang der Strecke auch nicht saniert. "Gerade bei den ersten Generalsanierungen wird das leider jetzt nicht vollständig umgesetzt, weil die Bahn mit der Planung nicht hinterherkommt. Das heißt, bei den Generalsanierungen in Bayern da haben wir einige Bauchschmerzen", so Iffländer.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
Quelle: BR24live
10.02.2026 - 11:00 Uhr
Berlin: Galeria-Warenhaus am Alexanderplatz bleibt bis mindestens Ende März 2027

Der Mietvertrag für das Galeria-Warenhaus am Berliner Alexanderplatz wird erneut verlängert. Das erfuhr der rbb aus Verhandlungskreisen.
Der bisherige Vertrag wäre im August dieses Jahres ausgelaufen. Nun soll Galeria mit seinen rund 350 Mitarbeitenden am Alexanderplatz noch bis Ende März 2027 Aufschub erhalten. Darauf hat sich der Warenhauskonzern mit dem Eigentümer des Gebäudes, der Gesellschaft Commerz Real, geeinigt. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" berichtet.
Bislang noch keine Einigung über langfristige Lösung
Der Senat strebt an, Galeria langfristig am Alexanderplatz zu halten. Das will auch der Konzern, allerdings mit deutlich weniger Fläche als bislang. Commerz Real war bislang aber nur bereit, ein kleineres Warenhaus als Mieter zu akzeptieren, wenn gleichzeitig die Zentral- und Landesbibliothek als neuer Hauptmieter in das Gebäude zieht.
Diese Lösung scheiterte bislang jedoch an sehr unterschiedlichen Preisvorstellungen. Die Verlängerung des Mietvertrages für Galeria gibt nun dem Senat Zeit, eine Lösung auszuhandeln.
Brandenburg, Berlin: Ganztägiger Streik am Donnerstag bei Lufthansa - Rund 40 Flüge am BER betroffen

Wer am Donnerstag mit Lufthansa fliegen wollte, muss seine Pläne wohl ändern. Die Crews streiken - am BER sind rund 40 Abflüge und Ankünfte betroffen.
Lufthansa-Kunden müssen am Donnerstag mit Flugausfällen rechnen – auch am Flughafen BER. Piloten und Flugbegleiter sollen gleichzeitig in einen ganztägigen Warnstreik gehen.
Im Streit über Betriebsrenten bei der Fluggesellschaft hat die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zum Arbeitskampf bei der Kernmarke Lufthansa und der Frachtairline Lufthansa Cargo aufgerufen. Die VC fordert für die rund 4.800 Cockpit-Beschäftigten höhere Beiträge zur Betriebsrente.
Rund 40 Starts und Landungen am BER bertroffen
Das Airline-Management lehnt das wegen hoher Kosten und geringer Profitabilität der Premium-Fluglinie ab. Die Pilotinnen und Piloten sind nach einer Urabstimmung bereits seit Oktober streikfähig, läuten aber erst jetzt den Arbeitskampf ein.
Die Kabinengewerkschaft Ufo will einem Sprecher zufolge mit einem Warnstreik Verhandlungen zu verschiedenen Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline erzwingen. Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht.
Am BER würde der Streik am Donnerstag rund 40 Flüge von und nach München und Frankfurt (Main) betreffen. Das genaue Ausmaß der Ausfälle war zunächst unbekannt. Man warte auf genauere Informationen von Seiten der Gewerkschaft, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.
Bremen: Bremer Regierungsfraktionen einigen sich auf zusätzliches Finanzpaket

Knapp 17 Millionen Euro will Rot-Grün-Rot für Bremen und Bremerhaven bereitstellen. Unter anderem sollen damit zusätzliche Stellen in der Justiz finanziert werden.
Während die Aufstellung des Doppelhaushaltes auf der Zielgeraden ist, haben SPD, Grüne und Linke in allen Ressorts nochmal Geld zusammengekratzt. Das Geld soll in den nächsten zwei Jahren unter anderem genutzt werden, um 26 zusätzliche Stellen in der Justiz zu finanzieren. Auch der Umweltbetrieb Bremen profitiert mit Millionenbeträgen, damit er seine Betriebshöfe modernisieren und mehr Bäume in der Stadt pflanzen kann.
Auf Initiative der Linken soll eine Meldestelle gegen Wuchermieten kommen. Außerdem soll die Einbürgerungsstelle besser ausgestattet werden. Aufgestockt werden außerdem die Etats für den Straßenerhalt, den Ausbau von Ganztagsschulen oder Jugendfreizeitheime. Darüber hinaus erhalten Kultur-, Sport- und Stadtteilprojekte zusätzliches Geld.
Auch Bremerhaven bekommt mehrere Millionen Euro aus dem Topf. Die Regierungskoalition hat das Geld durch Umschichtungen in den einzelnen Ressorts aufgebracht. Der Doppelhaushalt soll im April von der Bürgerschaft beschlossen werden.
Hessen: Dringender Sanierungsbedarf: Kultur-Initiative sammelt Spenden für Rüsselsheimer Stadttheater

Das Stadttheater in Rüsselsheim ist marode und das Stadtsäckel leer. Eine private Initiative hat nun eine Spendenaktion gestartet, die ein Zeichen setzen soll: Kulturinteressierte sind aufgerufen, je 1.000 Euro zu spenden.
Seine kiemenartigen Seitenschlitze und sein rundlicher Dachaufbau haben dem Rüsselsheimer Stadttheater den Beinamen Haifischmaul eingebracht. Seit 2024 steht die in den späten 1960er Jahren erbaute Kulturstätte unter Denkmalschutz. Doch die Zukunft des Hauses steht auf der Kippe.
Die Infrastruktur des Gebäudes ist marode, eine Sanierung würde nach jüngsten Angaben von Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) rund 47 Millionen Euro kosten. Geld, das die Stadt eigentlich nicht hat und das deshalb woanders herkommen muss. Aus staatlichen Fördertöpfen etwa – oder aus privater Hand.
Schon mehr als 40.000 Euro eingesammelt
Eine Initiative hat jetzt eine Geldsammelaktion auf den Weg gebracht. "TheJA!ter" nennt sie sich. Die Schreibweise und das auf Flyern in Rot gehaltene "JA!" sollen klar zeigen: "Wir wollen dieses Spielstätte für professionelles Schauspiel, Ballett, Konzert und andere Veranstaltungen erhalten!"
Menschen aus Rüsselsheim und Umgebung sind aufgerufen, die Sanierung des Hauses mit jeweils 1.000 Euro zu unterstützen. Nach Auskunft der Initiative gab es bis Montag (9.2.) - noch vor dem eigentlichen Start - bereits 41 Erstzeichner. Das wären schon mal 41.000 Euro.
"Wollen ein deutliches Zeichen setzen"
"Wir wollen ein deutliches und unübersehbares politisches Zeichen setzen", sagt Thomas Frickel. Er ist preisgekrönter Dokumentarfilmer und Mitinitiator der Aktion. Mit der Sammlung unterstreiche man die Wichtigkeit des Theaters für die Stadtgesellschaft, betont er.
Dass 1.000 Euro kein Pappenstiel sind, weiß Frickel. "Trotzdem sind viele Leute bereit, zu sagen: 'ja, wir machen da mit'. Denen ist es das wert." Frickel hofft auf einen Schneeballeffekt, der weitere Menschen und Institutionen zum Spenden animiert.
Hinter "TheJA!ter" stehen Kulturschaffende und -interessierte aus Rüsselheim und Umgebung - nach eigenen Angaben auch Kulturpreisträger. "Wir haben alle einen Großteil, wenn nicht sogar das ganze Leben von diesem wundervollen Ort profitiert", heißt es auf der Internetseite ja-zum-theater.de. Dort kann man auch das Spendenformular herunterladen.
Massiver Wasserschaden
Das Rüsselsheimer Stadttheater wurde 1969 eröffnet, drei Jahre nach Baubeginn. Seinerzeit war das "Haifischmaul" ein Hingucker. Doch sechs Jahrzehnte sind an dem Haus nicht spurlos vorbeigegangen: Geplatzte Rohre, drückendes Grundwasser - 2020 wurde ein enormer Wasserschaden im Bereich der Hinterbühne festgestellt.
Laut Stadt sind die Schäden so massiv, dass sie nicht ohne Eingriffe in andere Bereiche des Gebäudes und ohne Behebung sicherheitsrelevanter Mängel "nachhaltig beseitigt werden können". Fachplaner empfehlen eine Gesamtsanierung mit einer längeren Bauphase – inklusive einer energetischen Sanierung zur Reduzierung der Betriebskosten.
Stadtverordnete stimmen nächster Planungsphase zu
Während eine Mehrheit der Stadtverordneten sich noch im Sommer 2025 dafür aussprach, angesichts knapper Kassen von einer Sanierung abzusehen, ist der politische Wille inzwischen vorhanden, die Möglichkeiten eines Erhalts des Hauses wenigstens zu prüfen.
Im Herbst 2025 stimmte die Stadtverordnetenversammlung dann der sogenannten Leistungsphase 3 im Sanierungsplan zu. "Das ist die konkrete Umsetzungsplanung des gesamten Projekts", erläutert Oberbürgermeister Burghardt. Er ist auch Kulturdezernent der Stadt und ein glühender Verfechter des Theatererhalts.
Sanierungsbedarf auch anderswo
Was bislang eine Kostenschätzung war, soll dann konkret kalkuliert werden. Damit ließe sich die Akquise der Fördermittel angehen und das Gesamtpaket den Stadtverordneten zur Entscheidung auf den Tisch gelegt werden.
Im vergangenen Jahr hatte es eine Bürgerversammlung gegeben, auf der noch einmal informiert und diskutiert wurde. Dabei wurden auch kritische Stimmen laut. Denn Sanierungsbedarf besteht auch andernorts in der Stadt, etwa bei Straßen oder Schultoiletten.
Beitrag zur kulturellen Bildung
"Ich bin kein Freund von dieser Entweder-Oder-Diskussion", sagt Burghardt. "Wir haben als aktuell politisch Verantwortliche auch die Verantwortung für die nächsten Generationen." Denn rund 40 Prozent der Theaterbesucher seien Kinder und Jugendliche. "Wir leisten also auch einen ganz großen Beitrag für die Bildungsinfrastruktur, in diesem Fall die kulturelle Bildung."
Die Quellen, die Burghardt bei der Finanzierung anzapfen will, sind unter anderem Fördertöpfe des Bundes und des Landes. "Wir haben auch die Wirtschaftsinvestitionsbank, eine Tochterfirma der Helaba, vor Ort gehabt", berichtet er. "Wir reden auch mit Stiftungen, die so etwas unterstützen."
OB begrüßt Initiative
Die Initiative "TheJA!ter" findet der Oberbürgermeister "super", wie er sagt. "Wir begrüßen es grundsätzlich immer, wenn versucht wird, Mittel zu akquirieren. Das läuft wohl auch relativ erfolgreich an."
Burghardt konstatiert, dass der Beitrag, der auf diese Weise zusammenkommen könnte, vor allem eine hohe Symbolkraft hat. "Ich sag mal, 1.000 Euro für ein solches Projekt zu spenden, ist schon ein Zeichen, das darf man nicht geringschätzen." Am Ende könne das dazu beitragen, überregionale Unterstützung zu fördern.
"Wir wollen viele überzeugen"
Auch die Initiatoren von "TheJA!ter" wissen, dass man mit dem eingesammelten Geld allein das Theater nicht sanieren kann. "Wir wollen möglichst viele Leute davon überzeugen, dass man auf die Sanierung nicht verzichten kann", sagt Thomas Frickel.
Die Spenden bleiben vorerst auf einem Treuhandkonto. An die Stadt sollen sie erst ausgezahlt werden, wenn es einen rechtsgültigen Beschluss zur Sanierung gibt.
Neueröffnung frühestens 2030
Die Spielzeit 2026/2027 soll laut Burghardt auf jeden Fall noch im Stadttheater über die Bühne gehen. Im Idealfall könne man danach mit der Sanierung beginnen, die etwa dreieinhalb Jahre dauern soll. "Im Best-Case-Szenario sind wir dann 2030 wieder in der Eröffnung."
Nordrhein-Westfalen: Kunden klagen gegen Sparkasse Gelsenkirchen

Nach dem Einbruch in der Sparkasse Gelsenkirchen sind Details aus einem Gutachten bekannt geworden: Danach hätte der Einbruch höchstwahrscheinlich scheitern müssen, wenn übliche Standards eingehalten worden wären. Der Anwalt der Einbruchsopfer stützt sich darauf.
Vor sechs Wochen war der Aufbruch von über 3000 Schließfächern in der Sparkasse Gelsenkirchen entdeckt worden. Täter bohren ein Loch in den Tresorraum und erbeuteten einen dreistelligen Millionenbetrag. Ein Anwalt hat erste Klagen gegen die Sparkasse eingereicht und wirft ihr "grobe Fahrlässigkeit" vor.
Anwalt Daniel Kuhlmann kommt zu dieser Einschätzung nachdem ihm ein 60-seitiges Gutachten vorliegt. Das hat er bei einem renommierten Sachverständigen in Sachen Bankensicherheit in Auftrag gegeben. Laut Gutachten scheint fraglich, was die Sparkasse Gelsenkirchen immer wieder versichert: Die Sicherheit des Tresorraums sei auf dem "anerkannten Stand der Technik" gewesen.
Es gibt branchenübliche Standards für die Sicherheit von Banken
Auch wenn die Sicherheit von Banken nicht gesetzlich geregelt ist - es gibt branchenübliche Standards. An diese Normen - so der Gutachter – halte sich die überwiegende Mehrheit der Geldinstitute. Richtlinien des Verbandes der Versicherer und Verbandes der Elektrotechnik sehen detaillierte Analysen und Maßnahmen in verschiedenen Bereichen vor.
Baulich ist zum Beispiel die Dicke der Wände des Tresorraums wichtig, durch die elektronischen Sicherung muss bei einem Durchbruch durch eine Tresorraum-Wand Alarm ausgelöst werden. Im Alarmfall muss organisatorisch geregelt sein, wie der Einsatz von Polizei und Wachdienst läuft und wer dann personell wo genau Zutritt hat.
Sparkasse Gelsenkirchen: Anlagen vor zwei Jahren erneuert
Die Sparkasse Gelsenkirchen äußerte gegenüber dem WDR, dass die Einbruch- und Brandmeldeanlagen der Filialen vor zwei Jahren erneuert worden seien. Einen Einbruch in einen Tresorraum mit einem Bohrer hatte es zuletzt vor drei Jahren bei der Sparkasse in Strausberg, Märkisch-Oderland gegeben.
Inzwischen hat Anwalt Daniel Kuhlmann drei Klagen von Schließfachbesitzern dem Landgericht Essen übermittelt. Neben dem Gutachten, das er selbst in Auftrag gegeben hat, stützt er sich auf eine vom OLG Hamburg bestellte Studie, das der Hamburger Sparkasse nach einem Einbruch in die Filiale Norderstedt (2021) schwere Sicherheitsmängel vorwirft.
Auch hier waren die Täter mit einem Bohrer in den Tresorraum eingedrungen. Das Verfahren hatte die Sparkasse verloren. Das Berufungsverfahren läuft.
Hohe Summen im Schließfach
Unter den Personen, die klagen, ist eine Rentnerin. Die Frau habe eine Eigentumswohnung verkauft und die Summe von rund 400.000 Euro in bar in ihrem Fach aufbewahrt. Den hohen Betrag könne die Frau auch nachweisen. Ein weiterer Kläger habe vor allem Gold im Wert von rund 50.000 Euro in seinem Schließfach aufbewahrt. Auch dafür gebe es Nachweise.
Der dritte Kläger ist Daniel Oryan, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens: "Bei mir im Schließfach lagen Werte, die natürlich die Versicherungssumme überschritten haben. Und da geht es natürlich auch drum, da möglichst schnell, so viel wie möglich von dem Schaden zurückzubekommen", sagt er. Die Schließfach-Versicherung deckt nur den Verlust von bis zu 10.300 Euro ab.
Anwalt Daniel Kuhlmann will erreichen, dass die drei Verfahren als Musterklagen behandelt werden. Dazu sei er mit der Sparkasse Gelsenkirchen im Austausch. "Wenn die Musterklagen positiv ausgehen, werden alle unserer anderen Mandanten davon profitieren", so der Anwalt. Lasse sich die Sparkasse nicht darauf ein, würden zu einem späteren Zeitpunkt weitere Klagen eingereicht. Der Anwalt habe die Mandate von mehreren hundert Geschädigten.
Sparkasse weist Sicherheitsmängel zurück
Auch im Gelsenkirchener Fall gebe es laut Auskunft des Anwalts schwere Sicherheitsmängel, so habe unter anderem ein spezieller Schutz in der Wand zum Tersorraum gefehlt, den die Täter Ende Dezember aufgebohrt hatten. Die Sparkasse Gelsenkirchen wies zuletzt Kritik an der Sicherheitstechnik in der Bank zurück, die Filiale sei nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert gewesen.
Dreistellige Millionensumme als Beute?
Bei dem Einbruch überwanden die Täter Ende Dezember mehrere Sicherheitssysteme und erbeuteten nach Schätzungen eine dreistellige Millionensumme. Wie den Einbrechern das gelang ohne den Einbruchalarm auszulösen, gilt als zentrale Frage der Ermittlungen.
Bislang keine Spur von Tätern
Noch gibt es keine heiße Spur auf die Täter. Die Ermittler haben bereits 1200 Schließfachbesitzer vernommen, außerdem wurden 130 Mitarbeiter der Sparkasse, eingesetzte Polizei- und Feuerwehrkräfte sowie Hausbewohner befragt.
Die Spurensicherung im Tresorraum mit rund 500.000 Gegenständen, die die Täter im Tresorraum zurückgelassen haben, wurden 50.000 erfasst. Darunter persönliche Papiere, Schmuck, Uhren oder auch Gold. Parallel dazu gehen die Beamten rund 600 Hinweisen nach, die mittlerweile eingegangen sind.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter
- Anwalt Daniel Kuhlmann
- Sparkasse Gelsenkirchen
- Polizei Gelsenkirchen
Rheinland-Pfalz: Die Straßenfastnacht wird nass, an Rosenmontag droht Schnee

Närrinnen und Narren sollten Schirm und Schal einpacken: Die Straßenfastnacht wird nass, der Rosenmontag könnte sogar nochmal winterlich werden.
Am Donnerstag beginnt der Höhepunkt der fünften Jahreszeit. Die Fastnachter sollten sich allerdings auf wenig lustiges Wetter einstellen. Wasserfeste Kostüme sind angesagt, am Wochenende und an Rosenmontag schaden auch warme Unterhosen nicht.
Bevor am Donnerstag die wilden Weiber die Rathäuser stürmen, regnet es sich am Mittwoch schon langsam ein. Laut Deutschem Wetterdienst bestimmen Wolken und Regen das Wetter. Die Temperaturen liegen bei noch recht milden 6 bis 13 Grad. So wird es dann auch am Donnerstag zum Auftakt der Straßenfastnacht, der Freitag bringt ähnliches Wetter: Mild, windig und nass.
Am Wochenende kälter - Schneefall möglich
Zum Wochenende hin wird es deutlich ungemütlicher. In der Nacht zum Samstag fällt der Niederschlag zunächst noch als Regen, später aber zunehmend als Schnee. Mit Temperaturen um den Gefrierpunkt ist es deutlich kälter als zuletzt. Ob der Rosenmontag tatsächlich in den Schnee und nicht ins Wasser fällt, ist noch ungewiss. Klar ist nur: Es kommt was von oben, als Regen oder Schnee.
Saarland: Wie Künstliche Intelligenz menschliche Beziehungen beeinflussen kann

Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig – sei es die Foto-App, das Textprogramm, die Musik-App oder sogar das Telefon. Für immer mehr Menschen wird die KI sogar Freund oder Partner. Das bietet Chancen, birgt aber auch Risiken.
Die Hürden sind gering – einfach lostippen, und schon bekommt man Tipps für seine Probleme. Auch sozialer und emotionaler Natur. Psychologin Carola Hoffmann aus Saarbrücken beobachtet dieses Phänomen häufiger.
Mimik und Gestik fehlen
Mit Künstlicher Intelligenz über seine Probleme und Gefühlswelt zu sprechen, muss aus ihrer Sicht nicht immer schlecht sein, gerade bei leichten depressiven Symptomen. Hier zeigten Studien einen bedeutenden Rückgang depressiver Symptome, ähnlich wie bei einer angeleiteten Selbsthilfe in Gruppen. „Und es ist auf jeden Fall deutlich besser als gar keine Behandlung, gerade als Übergang, wenn man auf einen Therapieplatz wartet.“
Ein Ersatz für eine Therapie ist es aber nicht. Ein reiner Chat mit einer KI liefere viel weniger Daten zur Beurteilung als etwa ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten. Es fehle die Mimik, die Gestik. Und überhaupt tue sich die KI noch schwer damit, Emotionen einzuordnen, so Hoffmann.
KI-Ergebnisse immer hinterfragen
So kann es zu Fehldeutungen kommen. Das weiß man auch am Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken, ein Large Language Model (LLM) wie ChatGPT sei eher für logische Analyse gedacht.
„Normalerweise überinterpretieren wir – im Moment zum Beispiel auch, weil wir uns noch nicht so gut auskennen, aber auch, weil wir das gerne machen“, erklärt Dimitra Tsovaltzi, Forscherin am DFKI in Saarbrücken. „Wir sind soziale Menschen und vertrauen gerne. Wir vertrauen der KI in dem Fall zu viel – wir übervertrauen.“
Die Ergebnisse sollten stets hinterfragt werden, rät man beim DFKI. Es seien lediglich Treffer, die in der Vergangenheit bei ähnlichen Problemstellungen gepasst hätten, allerdings nicht individuell.
KI liefert eher Bestätigung als Konter
Außerdem würden Nutzer von der KI in ihren Ansichten eher bestätigt, statt auch mal Konter zu bekommen. Ein Problem laut Psychologin Hoffmann: „Ich öffne mich dann vielleicht auch anderen sozialen Kontakten nicht mehr so. Weil ich habe ja jetzt jemanden, der mir ‚gut tut‘. Es tut sicher nicht gut, wenn ich verstärkt werde in meinem Tun. Aber eben schwierig, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt.
Wohin eine unkontrollierte Kommunikation mit einer KI führen kann, zeigen Fälle aus den USA. Dort hatte etwa der von zwei Google-Mitarbeitern entwickelte Chatbot Character.AI einen Jugendlichen dazu animiert, sich das Leben zu nehmen. Der anschließende Prozess ging Anfang dieses Jahres mit einem Vergleich zu Ende. Auch der von Open AI entwickelte Chatbot ChatGPT soll für den Tod eines 16-Jährigen im April 2025 verantwortlich sein.
Zudem fanden Forscher der gemeinnützigen US-Organisation „Center for Countering Digital Hate” heraus, dass sie ChatGPT innerhalb von Minuten dazu bringen konnten, für Jugendliche Anleitungen zu Selbstverletzung und Suizid zusammenzutragen (Ergebnisse hier als PDF auf Englisch). Character.AI, OpenAI und auch die Facebook-Mutter Meta kündigten daraufhin Schutzmaßnahmen an.
Eltern sollten mitlernen
Die Landesmedienanstalt empfiehlt beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz bei Kindern und Jugendlichen nicht mit Verboten zu arbeiten. Stattdessen sollen Eltern sich mit den Tools befassen und gemeinsam die Kinder heranführen.
„Sie sollten sich selbst die KI herunterladen, mit der ihr Kind interagieren will“, so Ina Goedert von der Landesmedienanstalt. „Fragen sie ihr Kind auch, wofür es sie nutzen möchte. Suchen sie daraufhin die KI-Anwendungen heraus. Schauen sie, welche Bedürfnisse es gibt. Und dann testen sie es gemeinsam aus. Sprechen sie auch darüber, welche Antworten die KI gibt.“
Alle drei Experten sehen viele Potentiale der Künstlichen Intelligenz gerade in Bezug auf sozialen Beziehungen. Die kann nämlich auch als Trainingspartner genutzt werden, um Probleme abzubauen. Allerdings ist immer eine professionelle Betreuung entscheidend.
Hilfe bei Suizid-Gedanken
Sollten Sie selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, suchen Sie sich bitte umgehend Hilfe:
- Telefonseelsorge und Beratungsstelle Saar: (0800) 111 0 111
- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: (0800) 116 111 oder 111 0 333
- Saarländisches Bündnis gegen Depression: (0681) 40310-67/42
- Kontakt und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland: (0681) 960 2130
Sachsen: DDR-Denkmal Robotron-Kantine in Dresden soll Kunst- und Kulturzentrum werden

Der Gewinnerentwurf eines Architekturwettbewerbs steht fest: Die Robotron-Kantine soll ein offenes und flexibel nutzbares Kunst- und Kulturzentrum werden. Nach langer Diskussion ist der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes damit einen entscheidenden Schritt weiter.
- Die ehemalige Robotron-Kantine soll nach einem Architekturwettbewerb zu einem Kunst- und Kulturzentrum umgebaut werden.
- Der Gewinnerentwurf sieht vor, die bisherige Nutzung für Ausstellungen und andere Kulturveranstaltungen zu optimieren.
- Insgesamt stehen sechs Millionen Euro für Sanierung und Umbau zur Verfügung.
Der Gewinnerentwurf für den Umbau der früheren Kantine des Robotron-Kombinats in Dresden steht fest. Wie die Stadt Dresden am Montag mitteilte, soll das denkmalgeschützte Gebäude aus den 1970er-Jahren zu einem offenen und flexibel nutzbaren Kunst- und Kulturzentrum umgebaut werden.
Für den Umbau hatte die Stadt einen Realisierungswettbewerb ausgeschrieben. Die Jury entschied sich für einen Entwurf des Dresdner Architekturbüros Knerer und Lang.
Das Preisgericht lobte "die flexible Raumkonstellationen im Grundriss" und, dass der Entwurf, "das Prinzip der Wieder- und Weiterverwendung ernst nimmt und dabei Lust zum Mitmachen weckt."
Hervorragender Ort für Kultur
Zwischen Altstadt und Großem Garten gelegen, sei die Robotron-Kantine als Ort für Kultur hervorragend geeignet, sagte Preisträger Thomas Knerer bei MDR KULTUR. Knerer sagte, die ehemalige Kantine sei dafür in der jüngsten Vergangenheit schon sehr vielfältig genutzt worden, beispielsweise durch Ausstellungen bei der Ostrale und das Kunsthaus Dresden oder zwischenzeitlich als Diskothek.
"Die flexible Nutzung, die sich bisher da schon ergeben hat, soll im Grunde fortgesetzt, nur besser qualifiziert werden", so Knerer. Dafür sollen die drei großen Räume der Robotron-Kantine, bestehend aus den zwei ehemaligen Speisesälen und der ehemaligen Küche als Verbindungssaal, besser für Ausstellungen und Vorträge ausgestattet werden.
Knappes Budget für Sanierung
Überzeugend war laut Jury bei dem Gewinnernetwurf auch die Berücksichtigung des Budgets. Für den Umbau stehen insgesamt circa sechs Millionen Euro zur Verfügung. Sie setzen sich zusammen aus Geldern des Bundesprogramms "Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus 2024" in Höhe von vier Millionen Euro, einer privaten Spende der Familie Arnhold in Höhe von 1,5 Millionen Euro und 612.000 Euro Eigenmitteln der Stadt Dresden.
Architekt Thomas Knerer erklärte bei MDR KULTUR, das Budget sei sehr knapp, daher stehe Sanierung und Reparatur im Fordergrund, "und der eigentliche Umbau, der müsste dann in einer späteren Etappe stattfinden."
Das Gebäude sei momentan zwar in einem schlechten Zustand, gab Knerer im Interview zu, sei innen aber zum Teil erhalten, es gebe dort beispielsweise Wandreliefs und große Teile der originalen Ausstattung. Die Reparatur müsse nun sehr schnell passieren.
In einem ersten Schritt beginnt die Dachsanierung im Sommer 2026. Auf Grundlage des Gewinnerentwurfs soll der Bau im zweiten Halbjahr 2027 fortgesetzt werden. Thomas Knerer betont: "Für uns war wichtig, dass das Gebäude auch in diesen Zwischenetappen immer nutzbar bleibt, sodass die Funktion als multifunktionaler Raum die ganze Zeit erhalten bleibt."
Robotron-Kantine: Denkmal der DDR-Moderne
Robotron war der größte Computerhersteller der DDR. Der Pavillonbau für die Kantine gilt als Denkmal der DDR-Moderne, er bot in zwei Speisesälen rund 800 Menschen Platz.
Die ehemalige Betriebskantine des Kombinats ist nach Schließung des Werks unter anderem von der Semperoper als Probensaal genutzt geworden. Lange Zeit wurde um die weitere Nutzung und besonders die Finanzierung gestritten.
Weitere Informationen
Ausstellung der Entwürfe des Architekturwettbewerbs
Dienstag, 10. Februar bis Freitag, 20. Februar 2026
Montag bis Freitag, jeweils 9 bis 18 Uhr
Agora des Stadtforums
Waisenhausstraße 14
01069 Dresden.
Sachsen-Anhalt: Falsche Abrechnungen über Jahre? Prozess gegen Pflegedienstleiterin startet

Über Jahre soll eine Pflegedienstleiterin aus Bad Dürrenberg Krankenkassen mit fingierten Abrechnungen geschädigt haben. Der mutmaßliche Schaden liegt bei rund 100.000 Euro. Seit Montag verhandelt das Landgericht Halle den Fall.
Über Jahre soll eine Pflegedienstchefin bei Krankenkassen falsche Leistungen abgerechnet und sich so bereichert haben. Die Anklage schätzt den Schaden auf rund 100.000 Euro. Ab Montag versucht das Landgericht Halle, den Fall aufzuklären.
Anklage: Unterschriften von Versicherten gefälscht
Die Staatsanwaltschaft wirft der 65-Jährigen aus Bad Dürrenberg (Saalekreis) vor, in 76 Fällen betrogen zu haben. Über mehr als vier Jahre soll die Frau immer wieder Leistungen eingereicht haben, die es jedoch gar nicht gab. Dafür fälschte die Angeklagte auch die Unterschriften der Versicherten.
Bis zu zehn Jahre Haft möglich
Bislang hat die Frau zu den Vorwürfen geschwiegen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu zehn Jahre Gefängnis.
Thüringen: Leuchtenburg bekommt bald einzigartiges Kunstwerk

Am Berg der Leuchtenburg im Osten Thüringens wird fleißig gebaut. Bis zum Sommer soll dort ein Aufzug entstehen, der einen bequemen und barrierefreien Zugang zur Burg ermöglicht. Doch nicht nur das: Die Stiftung Leuchtenburg hat außerdem ein besonderes Kunstwerk in Auftrag gegeben, um Besucher schon am Aufzug auf die Schau zur Porzellangeschichte einzustimmen.
- In Reichenbach tüfteln der Künstler Alim Pasht-Han und die dortige Porzellanmanufaktur gemeinsam an einer Wandinstallation.
- Das Kunstwerk ist inspiriert vom Erdreich unter der Leuchtenburg und erinnert an schlummernde Schätze im Boden.
- Mit dem Abschluss der Bauarbeiten im Sommer soll an der Burg ein neues Kaptiel starten.
Ein riesiger Wandteppich soll es einmal werden – 13 mal zweieinhalb Meter groß – mit eingearbeiteten Porzellangebilden. Die Kombination Porzellan und Wolle klingt vielleicht verrückt, ist aber machbar, sind die befreundeten Künstler Alim Pasht-Han und Murat Haschu überzeugt. Beide stammen aus dem Nordkaukasus, leben und arbeiten auch in Deutschland. Alim Pasht-Han beschäftigt sich schon seit 20 Jahren mit dem Werkstoff Porzellan.
Porzellankunst aus Thüringen brach bereits Weltrekorde
Für das Projekt arbeitet er mit der Porzellanmanufaktur Reichenbach zusammen – ein experimentierfreudiger Partner, mit dem Alim Pasht-Han in der Vergangenheit schon die weltgrößte Porzellanvase ertüftelt hatte. Acht Meter hoch, zusammengesetzt aus 360 kunstvoll bemalten Porzellanwaben, ist sie seit 2015 in der Porzellanwelten-Schau auf der Leuchtenburg zu bewundern.
Nun arbeitet er wieder in Reichenbach, wo die phantasievollen Porzellangebilde für die Wandinstallation entstehen. Die schneide er aus einer Porzellanplatte, erklärt der Künstler, ganz ohne Entwurf: "Das mache ich alles roh."
Berg der Leuchtenburg inspirierte Kunstwerke
Während in Reichenbach die etwa 30 zerbrechlichen Teile des Teppichs entstehen, arbeitet Murat Haschu in seinem Atelier in Halle an der textilen Oberfläche. Er nutze die sogenannte Tuftingtechnik, um die farbigen Wollgarne auf ein gespanntes Trägermaterial zu bringen. Das sehe zwar aus wie handgeknüpft, erklärt er, allerdings sei die Arbeit mit der Tuftingpistole deutlich schneller: "Das ist ein bisschen wie Malerei mit Wolle. Da hat man viel mehr Freiheit, finde ich."
Inspiriert hat die Künstler ein geologischer Schnitt am Berg der Leuchtenburg, der die sonst verborgenen farbigen Schichten aus Buntsandstein und Muschelkalk sichtbar macht. Genau die wollen sie mit ihrer riesigen Wandinstallation nachempfinden, wobei die Porzellangebilde in der farbigen Teppichfläche wie im Berg schlummernde Schätze wirken.
Neues Kapitel der Burggeschichte startet im Sommer
Voraussichtlich im Juni wird der großformatige Wandteppich in der Talstation installiert. Bis dahin haben die Künstler noch gut zu tun. Und auch die Arbeiten am Burgberg gehen voran.
Die Kabine des neuen Aufzugs steht schon auf dem Gleis. Aktuell dürften aber noch keine Personen mitfahren, erklärt Kaiser bei MDR KULTUR, weil erst noch die technische Abnahme erfolgen müsse. "Das ist ja für uns auch ein ganz neues Kapitel in der Burggeschichte." Die Gäste können dann planmäßig ab Sommer das neue Wandbild bestaunen und den Aufzug nutzen.
Weitere Informationen zur Leuchtenburg
Öffnungszeiten:
April bis Oktober: 9:00 bis 18:00 Uhr
November bis März: 10:00 bis 17:00 Uhr
Ticketpreise:
Erwachsene: 16,50€
Ermäßigt: 12,50€
Senioren: 15,50€
Hamburg: Fliegerbombe nahe der Köhlbrandbrücke entschärft

Entwarnung im Hamburger Hafen: Am Dienstagabend ist in der Nähe der Köhlbrandbrücke eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden.
Die 500 Pfund schwere Fliegerbombe britischer Bauart lag in der Nippoldstraße - ganz in der Nähe der Köhlbrandbrücke. Arbeiter hatten sie am Nachmittag gefunden, Taucher des Kampfmittelräumdienstes untersuchten sie daraufhin.
Am Abend rückte der Kampfmittelräumdienst an. Sprengmeistern gelang es, den Blindgänger zu entschärfen. Für die Arbeiten war der Bereich mit einem Radius von 300 Metern rund um den Fundort gesperrt worden. In dem Gebiet wohnt niemand, allerdings war die Köhlbrandbrücke von der Sperrung betroffen. Insgesamt waren 20 Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Kampfmittelräumdienstes im Einsatz.
Mecklenburg-Vorpommern: Tote Wildvögel: Winter setzt Schwänen, Enten und Blesshühnern zu

Entkräftung oder Vogelgrippe: An den Küsten und Seen in Mecklenburg-Vorpommern sind zuletzt vermehrt Wildvögel verendet. Das genaue Ausmaß lässt sich kaum beziffern. Ein Experte rät, sich von toten Wildtieren fernzuhalten.
Im Norden Rügens: Motive wie bei Caspar David Friedrich - doch das viele Eis ist gefährlich für Wasservögel. Und so sorgen tote Tiere für Verunsicherung bei Spaziergängern. Auf dem Großen Jasmunder Bodden bei Sagard sammeln Freiwillige die Kadaver auf. Dirk Wippich ist einer von ihnen und er hat die toten Tiere der vergangenen Tage gezählt: "200 ungefähr. Was wir jetzt selber an Land geschleppt haben. Also unser Team."
Genaues Ausmaß ist kaum zu beziffern
In Malchow sind seit Anfang vergangener Woche mindestens 200 Blesshühner verendet. Viele davon waren im Eis eingefroren und sind zumeist an Entkräftung gestorben. Doch auch aus anderen Landesteilen mehrten sich zuletzt die Berichte über Wasservögel, die gleich scharenweise verendet sind. Das genaue Ausmaß lässt sich derzeit nicht beziffern. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind aber nach Auskunft eines Sprechers seit November mehr als 120 tote Wildvögel gemeldet worden. Nordwestmecklenburg schätzt die Meldungen auf 100 bis 150 Wildvögel.
Kadaver-Bergung auf dem Eis nicht immer möglich
Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind einzelne Fälle von verendeten Wildvögeln bekannt. "Dies fällt vor allem an den wenigen, noch eisfreien Flächen auf, da sich dort viele Vögel - häufig geschwächt - versammeln", heißt es aus der Kreisverwaltung. Konkrete Zahlen würden aber nicht erhoben. In der Regel ist die jeweilige Gemeinde zuständig, die Tiere einzusammeln. "Verendete Vögel werden stichprobenartig durch das Veterinäramt auf das Geflügelpestvirus getestet", heißt es vom Kreis weiter. Wenn Tiere auf gefrorenen Wasserflächen verenden, sei eine Bergung der Kadaver nicht immer möglich, besonders nicht, wenn das Eis zu dünn ist.
Rostock: Zehn tote Vögel pro Tag gemeldet
In Rostock gibt es laut Veterinäramt Totfunde entlang der Warnow. Dort seien es "Kormorane, die in erheblichen Größenordnungen zu Gast sind und zum Teil auch verenden". Man gehe von derzeit etwa zehn toten Vögeln pro Tag aus. Die Tiere werden - sofern nicht von Vogelgrippe auszugehen ist - vom kommunalen Ordnungsdienst eingesammelt. Beprobungen im Januar hätte ergeben, dass die verendeten Tiere durch Nahrungsmangel geschwächt waren. Eine Entnahme von Proben würde erst wieder neu veranlasst werden, wenn sich ein Muster anderer Ursachen ergebe.
Vogelgrippe: Bundesweit viele Fälle
Auch die Vogelgrippe kursiert weiter und schwächt Wildvögel. Prof. Timm Harder leitet am Friedrich-Loeffler-Institut auf dem Riems das nationale Referenzzentrum für Vogelgrippe und sieht eine Konzentration des Virus im Moment mehr bei Schwänen, großen Gänsearten und Greifvögeln. Nach den Ausbrüchen im vergangen Herbst - mit dem Massensterben bei Kranichen - sei derselbe Erreger immer noch unterwegs. Bei den Bergen der Kadaver derzeit sei es schwer möglich, Vogelgrippe von Entkräftung als Todesursache zu unterscheiden, "da braucht es die Beprobung." Harder warnt davor, dass von den toten Tieren ein generelles Infektionsrisiko ausgeht.
Zuständigkeit bei Entsorgung der Tiere klären
In der Gemeinde Sagard fragen sie sich vor allem: Wer entsorgt die toten Tiere? Tom Zimpel ist Gemeindevertreter in Sagard: "Wir haben die Herausforderung, dass wir die Zuständigkeiten nicht genau geklärt kriegen. Eigentümer der Gewässer ist das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu). Unser Amt Nordrügen ist in regem Austausch mit dem Stalu, dass man diese Missstände hier tatsächlich anzeigt und die Klärung dann - wer sammelt die Vögel ein und dergleichen mehr, schnellstmöglich geklärt bekommt."
Niedersachsen: Stahlkonzern Salzgitter rechnet mit steigenden Umsätzen

Das Unternehmen will in diesem Jahr bei Umsatz und Gewinn wieder zulegen. Auch 2025 waren die Geschäftszahlen wohl schon besser.
Die Salzgitter AG blickt optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr. Der Stahlkonzern will nach eigenen Angaben bei Umsatz und Gewinn wieder zulegen. Das Unternehmen erwartet einen Umsatz von rund 9,5 Milliarden Euro, eine halbe Milliarde mehr als im Vorjahr, wie das Unternehmen bei der Vorlage von neuen Geschäftszahlen am Dienstag mitteilte. Im vergangenen Jahr konnte die Salzgitter AG den Verlust vor Steuern mit 28 Millionen deutlich eindämmen. 2024 hatte das Minus noch bei 296 Millionen Euro gelegen. Das Unternehmen will die vollständigen Zahlen für 2025 am 23. März vorlegen. In diesem Jahr rechnet der Stahlkonzern insgesamt nur mit einer leichten Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die geplanten Investitions- und Infrastrukturprogramme führten noch nicht zu einer deutlichen konjunkturellen Belebung, heißt es. Positiv dürften sich hingegen die Handelsschutzmaßnahmen der EU auswirken.
Schleswig-Holstein: IHK: Wirtschaft in Schleswig-Holstein erholt sich langsam

Der Wirtschaft in Schleswig-Holstein geht es wieder etwas besser. Das geht aus einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) hervor. Trotzdem bleibt die Stimmung bei den Betrieben weiter angespannt.
Laut der Konjunkturumfrage der IHK zum Ende vergangenen Jahres blicken Unternehmer mittlerweile wieder etwas optimistischer in die Zukunft als noch im Herbst (von 86,4 auf 95,4 Punkte) - vor allem im Bereich Export. Dort erwartet mehr als ein Drittel der Unternehmen in Schleswig-Holstein einen Aufschwung. Aber: In Schleswig-Holstein, so die IHK, spiele das eher eine untergeordnete Rolle. Von einer echten Trendwende könne deshalb nicht die Rede sein. Nach wie vor stehe es um die wirtschaftliche Lage im Land schlechter als noch vor ein paar Jahren, so die IHK am Dienstag.
Besonders Einzelhandel schwächelt
Problematisch sei vor allem der zurückhaltende Konsum im Land. Im Einzelhandel sind laut IHK-Umfrage die Umsätze deutlich zurück gegangen - und da sehen die Händler aktuell auch wenig Chancen auf Besserung. Und auch im Baugewerbe sind die Aufträge zurückgegangen. IHK-Präsident Thomas Buhck hofft darauf, dass sich die Effekte aus dem Sondervermögen der Bundesregierung bald auch dort in der Branche zu spüren sind, vor allem durch mehr Investitionen.
IHK-Präsident fordert mehr Entlastungen für Betriebe
Der Geschäftslage in der Industrie läuft es zwar etwas besser, aber der hohe Kostendruck und die gestiegenen Energiekosten machten landesweit den Unternehmen in der Branche zu schaffen. Bemühungen der Bundesregierung, die Betriebe finanziell zu entlasten, kommen laut der Umfrage nur bedingt dort an. Unternehmen in Schleswig-Holstein hielten sich deswegen bei Investitionen noch zurück, so die IHK. Präsident Buhck fordert spürbare Entlastungen für die Betriebe, vor allem mit Blick auf die Standortkosten.
Der Konjunkturklimaindex reicht von 0 bis 200 Punkten. Von knapp 3.400 angefragten Unternehmen haben mehr als 900, also gut ein Viertel, an der IHK-Umfrage teilgenommen.

